Jugendfilmprojekt

Nie wusste man so recht, was die Jugendlichen in den ländlichen Regionen Südwestfalens wirklich beschäftigt. Was ist für sie in Zukunft wichtig? Können sie sich eine Zukunft in ihrem Dorf vorstellen? Wenn nicht, wissen sie überhaupt, was sie in ihrer Heimatregion für Möglichkeiten haben? Um Antworten darauf zu finden, haben wir im Jahr 2010 gemeinsam mit dem DenkRaum „Zukunft Dorf“ das Jugendfilmprojekt konzipiert. Grundidee des Projekts war, dass Jugendliche die Entwicklung des Ortes aus ihrer Sicht in einem Dokumentarfilm darstellen. Vier Dörfer, die unterschiedlicher nicht sein können, haben sich schließlich gefunden: Störmede (Kreis Soest), Referinghausen (Hochsauerlandkreis), Helden und Oberveischede (beide Kreis Olpe).

Offizieller Startschuss und gleichzeitig das erste Zusammentreffen aller Beteiligten war der zweitägige Auftaktworkshop in Störmede. Unter der Leitung von Studierenden der Universität Siegen machten die Jugendlichen sich mit der Kameratechnik vertraut und wurden an das Thema Film herangeführt. Solch ein Projekt hatte es im Vorfeld noch nicht gegeben und keiner wusste so recht, was ihn erwarten würde. Auch für den studentischen Betreuer der Universität Siegen, Claudius Clüver, war es eine neue Situation: „Das Besondere am Filmprojekt war für uns, dass die Jugendlichen von sich aus sprechen konnten.“

Das Projekt war auf drei Jahre ausgelegt. Zwischen den gemeinsamen Workshops lagen Produktionsphasen und Workshops für jedes einzelne Dorf. In diesen Produktionsphasen widmeten sich die Jugendlichen den Themen in ihrem jeweiligen Dorf, die sie für wichtig hielten. Während die Störmeder einen Film unter dem Motto „Was hält uns im Ort?“ drehten, ging es in Oberveischede um den Bau einer Mountainbike-Strecke und die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ auf Landes- und Bundesebene. Helden lag das Thema Mobilität am Herzen.

Was wir tun?

Nach Monaten harter Arbeit und Vorbereitung wurde die Kamera zur Seite gelegt und die Abendgarderobe hervorgeholt: Im November 2011 fand das erste Jugendfilmfestival im Viktoria-Filmtheater in Hilchenbach-Dahlbruch statt. Hier wurden die ersten Filme gezeigt und auch prämiert. Anne Willmes vom WDR Siegen führte zusammen mit Sascha Agotz aus dem Filmteam Referinghausen durch die Veranstaltung. Der erste Jugendfilmpreis ging an Referinghausen. Etwas mehr als ein Jahr war vergangen und die erste Zwischenbilanz lautete von allen Seiten: „Super! Weiter so!“

Präsenz in der ganzen Region

Doch es gab ausbildungs- und schulbedingt auch Zeiten, in denen die Produktivität zurückging. Dann hieß es dranbleiben! Fast alle Gruppen haben bis zum Ende durchgehalten und konnten Ende 2013 neue Kurzfilme im Viktoria-Filmtheater präsentieren. Aus Hilchenbach-Dahlbruch selbst war mittlerweile ein weiteres Filmteam hinzugekommen. Sein Fokus lag auf einer Tanzgruppe, die von Jugendlichen gegründet worden war. Das Konzept des Festivals hatte sich in den zurückliegenden zwei Jahren etwas verändert. Nicht mehr nur die Filme, sondern auch die jungen Künstler/-innen aus Südwestfalen konnten sich auf der Bühne präsentieren. Die Moderation übernahm auch beim zweiten Mal Anne Willmes, dieses Mal zusammen mit Isabel Sabisch aus dem Filmteam Oberveischede.

Das Projekt wurde über die Grenzen Südwestfalens hinaus bekannt: Die Jugendlichen stellten das Projekt unter anderem auf der Grünen Woche in Berlin, auf dem Sommerfest des Landes NRW in der Landesvertretung in Brüssel und bei einer Impulsveranstaltung in Elspe zum Präsentationsjahr der REGIONALE vor.

Mit dem Jugendfilmprojekt konnten die Jugendlichen auf ihre Perspektive auf die Zukunft der Dörfer aufmerksam machen. Fast alle waren sich einig, dass man erst einmal raus in die Welt und etwas erleben muss. Danach wollen sie gerne wieder in ihre Heimat zurückkehren.

„Die Bedeutung von Heimat ist dabei in ein ganz neues Licht gerückt worden. Der Begriff hat sich als sehr zeitgemäß und modern herausgestellt“, erklärt Anne Willmes. Die Filme haben Einblicke in das Dorfleben gezeigt, wie die Jugendlichen es sehen. „Und dadurch haben sie auch viel über sich und ihr Leben gelernt, zusätzlich zu den rein technischen Erfahrungen“, so Claudius Clüver.

Die Filme waren für das jeweilige Dorf spannend, sie haben aber auch sonst überall in Südwestfalen großen Anklang gefunden.

Was vom Jugendfilmprojekt bleibt:

  • „Heimat“ ist kein altmodischer Begriff, sondern ein Wert, der jungen Menschen auch heute wichtig ist.
  • „Erst einmal die Welt sehen wollen“ ist vielen Jugendlichen wichtig – aber: Rückkehr schließen sie nicht aus.
  • Die Jugendlichen sind bei diesem Projekt die Hauptakteure – ihnen sollte möglichst viel Verantwortung in Eigenregie überlassen werden.
  • Die Idee weiter verfolgen sich auch nach der offiziellen Projektlaufzeit austauschen z.B. über einen Online-Blog, um sich weiterhin kreativ mit ihrem Dorf auseinanderzusetzen und neue interessierte Jugendliche anzuleiten und zu unterstützen.
Weitere Infos zum Thema:

Die Filme der Jugendlichen beim Jugendfilmprojekt sind auf unserem YouTube-Channel zu sehen >> hier